Hinterfragt: Social Eating

#7 Glossar Junge Zielgruppe – Heute: „Tinderella“

August 12, 2015 Comments (0) Allgemein, Freizeit, Jugendkultur

Wundersame Stadterlebnisse: Junge Menschen, die kollektiv Eis konsumieren

Nachdem sich Street Food Märkte in deutschen Städten als urbane Events etabliert haben, folgt nun die „coole“, sommerliche Variante: Ein Ice Cream Market. Um das kühle Etwas am Stiel kollektiv vernaschen zu können, nehmen junge Menschen an einem Sonntag dann auch mal lange Wartezeiten in Kauf.

Das von dem Modelabel mint&berry organisierte Marketing-Event wurde vorab aufmerksamkeitsstark über die sozialen Kanäle beworben. Berlin hat es vorgemacht: dort hat bereits ein Ice Cream Market stattgefunden. Hamburg zieht nach; und das selbstredend im hippen Schanzenviertel. Laut Medienberichten waren über 10.000 Besucher in acht Stunden vor Ort. Location: die Schanzenhöfe.

 

Kleiner Erfahrungsbericht

Ice Cream Market_Wartschlange

Lange Schlange vor dem Eingang des Ice Cream Markets Foto: © Sabrina Bozkurt

Sonntag 15:00 Uhr. Sommer. Strahlend blauer Himmel, 26 Grad. Anwesend: Eine Meute junger Menschen, die ihre schönsten Sommeroutfits ausführen. Und alle stehen brav in Reih und Glied. Das ist die Schlange, in die man sich einreihen muss, um überhaupt Eis schnabulieren zu dürfen. Sie führt auf das Ice Cream Market Gelände. Damit die Warterei nicht zum Hitzeschlag führt, wird von einer jungen Dame Wasser in Pappbechern an die Eishungrigen verteilt.

Etwa zwei Becher und einen Schnack weiter (in Zeit gemessen an die 40 Minuten): endlich- geschafft! Ein Sicherheitsmann gibt die Anweisung, dass der nächste Trupp von 20 Personen eintreten darf. Yeah, drin!

Was sich schon erahnen ließ, bestätigt sich: Auf dem Gelände wird`s nicht leerer. Menschen, eng an eng, tummeln sich von Eisstand zu Eisstand. Außerdem ist Vorsicht geboten: Bloß nicht in ein Selfie-Shooting hinein stolpern. Die Besucher posieren- schickes Eis schleckend- vor ihren Smartphones. Die ganz Motivierten können ihre Bilder bei Instagram mit Hashtag posten und an einer Competition teilnehmen. Konfetti, Stände für Make Up, bunte Mode und Beats fördern das frisch fröhliche Summerfeeling.

Ja und das Eis? Das gibt es wirklich in allen möglichen Variationen. Produziert von Berliner und Hamburger Manufakturen, von veganer Variante bis zur Kreation Kirschbier-Geschmack. Aber wer glaubt, mit der Warterei vor dem Eingang soll es das gewesen sein, der irrt. Erneut das Bild vom Anfang: Menschen- entspannt und gestylt, wartend am Eisstand.

Nun muss man ja zugeben: das Phänomen des Anstehens ist schon bekannt in der jungen Zielgruppe. Schließlich steht sie sich vor den Apple- oder Primark-Läden auch die Beine in den Bauch, um an begehrte Produkte zu gelangen. Und Street Food und Ice Cream Märkte sind nun wohl die hippe Variante von Stadtfesten. Um Teil des Events zu sein, vielleicht auch aus FOMO-Gründen (fear of missing out), muss für eine Kugel Eis halt auch mal gewartet werden.

Aber wie sagte ja bereits schon Tolstoi: „Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.“ 🙂

Next Stop des Ice Cream Markets: Köln.

 

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