#7 Glossar Junge Zielgruppe – Heute: „Tinderella“

Verjüngungskur für Zeitungen

August 21, 2015 Comments (0) Allgemein, Azubi Textschmiede

Azubi Textschmiede: #nolivingroomforpoorwerber- Hast du heute Sport?

Die Kategorie „Azubi Textschmiede“ ist der Blog-Spielplatz für Auszubildende der Medienwelt, die ihren Gedanken zur jungen Zielgruppe freien Lauf lassen.


 

#nolivingroomforpoorwerber- Hast du heute Sport?

Liebe Werbegemeinde, unsere Branche ist jung. Wir waren aber alle mal jünger. Um sich an diese Zeit zurückzuerinnern, benötigt man keinen Guru, der im Rahmen eines Rückführungskurses mit halluzinogenem Peyoteextrakt zum Hervorrufen pränataler Emotionen ankommt; es genügt manchmal nur, sich an alte Kumpels zu erinnern. Einer dieser Kumpels war: mein Turnbeutel. Hier mal eine kleine Rückschau.

Mal baumelte er treu draußen an der Garderobe. Oder schmiegte sich im Deutschunterricht an meine Wade, wenn er unter dem Tisch auf seinen Einsatz wartete. Mitunter entwickelte er ein Eigenleben. Hier ließ sich gut erkennen, in welcher Pubertätsstufe sich vor allem die Herren der Schöpfung befanden: Während die einen- mit meist schon ausgeprägtem Interesse am anderen Geschlecht – stets darauf achteten, dass Mutti ihnen eine frische Sportklamotte zur Verfügung stellt, behandelten ihn die anderen herzlos und ließen ihn mit Vorsatz übers Wochenende im Klassenzimmer, um am Montag weniger schleppen zu müssen. Dann hatten Turnhose, T-Shirt und Schuhe genug Zeit, um sich kennenzulernen und gingen eine Symbiose aus Schweiß und Grandplatz ein. Die sahen dann aus – und rochen auch so – als hätten Sie gerade den Ayers Rock in der Mittagshitze bestiegen. Pfui!

Ein Turnbeutel eignete sich zudem hervorragend bei kleinen bis mittelschweren Keilereien. Im Handling eine recht einfache Waffe: Wie bekloppt schwingen. Man fühlte sich wie ein Bruce Lee. Im Optimalfall wurde der Gegner von der harten Schuhsole im Inneren des Beutels getroffen und kapitulierte. Doch auch hier greift die goldene Schulhofregel: „Nicht ins Gesicht!“

Wer also nicht „Deutschlands durchschnittlichstes Wohnzimmer“ in seiner Agentur hat, um sich in die junge Zielgruppe reinzudenken, darf gerne ab und zu in Erinnerungen schwelgen. Manche Dinge, die lange unseren Alltag verlassen haben, sind nämlich auch heute noch genau so wie früher.

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